WISSEN

Stelle Dir vor, du willst eine technisch einwandfreie Kniebeuge machen – wie aus dem Lehrbuch. Theoretisch weißt Du auch genau, wie diese auszusehen hat. Doch während der Ausführung kippt dein Oberkörper nach vorne und dein linkes Sprunggelenk kollabiert nach innen.

Vielleicht versuchst Du dein Sprunggelenk oder auch deine Hüfte zu mobilisieren, aber an der Bewegungsausführung deiner Kniebeuge ändert sich nichts.

Woran liegt das?

In erster Linie geht es dem Gehirn nicht darum, eine optimale Bewegung oder Leistung zu erbringen. Die Hauptaufgabe besteht darin, dass Überleben zu sichern, Gefahrenpotenziale zu erkennen und Situationen vorherzusehen. Alle Bewegungsausführungen, Leistungen oder andere Auswirkungen des Körpers geschehen nicht ohne die Genehmigung des Gehirns.

Die oben beschriebene Kniebeuge ist ein Outputergebnis der verarbeiteten Informationen des Gehirns und des zentralen Nervensystems. Dabei hängt die Bewegungsqualität von den zuvor aufgenommenen Informationen über die Umwelt, die Sinnesorgane und Rezeptoren ab (sensorischer Input). Wie präzise die Bewegung ist, wird letzendlich von den Informationen bestimmt, die im Gehirn ankommen und dort verarbeitet werden. Die Leistung und die Trainingsergebnisse resultieren also nicht nur aus den mechanischen und physiologischen Effekten, sondern wie effizient das Gehirn und das zentrale Nervensystem im Hintergrund arbeiten.

Um eine optimale Bewegung auszuführen, sind vor allem drei Systeme von großer Bedeutung:
– Das visuelle System- also alles, was ich über die Augen aufnehme
–  Das vestibuläre System (unsere Gleichgewichtsorgane) und
– Das propriozeptive System für die Rezeptoren in Gelenken und Muskeln.

Innerhalb der Hierarchie der bewegungssteuernden Systeme liefert das visuelle System mit Abstand die meisten und wichtigsten Informationen. Das visuelle System ist in permanenter Interaktion mit der Umgebung und liefert 70-90% des sensorischen Inputs. Es hat einen großen Einfluss auf die Bewegungsqualität, räumliche Orientierung, Haltung und Stabilität.

Was heißt das nun für dein Training?

Wenn die visuellen Informationen nicht optimal sind, reduziert das zentrale Nervensystem immer Kraft, Beweglichkeit und Leistungsfähigkeit. Denn in erster Linie geht es unserem Nervensystem nur um die Sicherheit und das Überleben.
Wir brauchen klare, hochwertige visuelle Informationen, um eine optimale Leistung zu erbringen. Im besten Falle sind die Informationen aus beiden Augen deckungsgleich und können zu einem gemeinsamen Bild zusammengefügt werden.
Ist dies nicht der Fall, gibt es eine zu geringe Qualität an Informationen und die Situation wird eher als unsicher eingestuft. Die Leistungsfähigkeit und Bewegungsqualität werden reduziert und es kommt zu Einschränkungen und/oder Schmerzen.

Um eine optimale Leistung zu erbringen, brauchen wir somit gute sensorische Informationen, die für das visuelle System von großer Bedeutung sind.

Was verstehst man unter dem peripheren Sehen?

Das periphere Sehen beschreibt die visuelle Wahrnehmung außerhalb unseres Fixpunktes.
Wie gut können wir die Dinge sehen, auf die wir nicht direkt schauen?

Gerade bei der Erkennung von Gefahren in unserer Umgebung spielt die periphere Sicht eine große Rolle.
Im Gegensatz zum scharfen Sehen (foveales Sehen) werden beim peripheren Sehen 20x so viele Rezeptoren verarbeitet (ca. 100-125 Mio.).

Der Input des peripheren Sehens hat somit einen sehr hohen Stellenwert.

Zum Einen kann ich meine Umgebung besser wahrnehmen und darauf schneller reagieren, was sich sowohl im Alltag, als auch im Sport positiv auswirkt.
Zum Anderen hat die periphere Sicht eine extrem große Auswirkung auf meine Stabilität im Raum.

Um das periphere Sehen zu testen, eignet sich z.B. eine visuelle Trainingskarte

Stelle dich möglichst nah davor und schaue dabei entspannt auf den mittlersten, kleinsten Buchstaben. Beginne nun nacheinander die Buchstaben von innen nach außen zu lesen. Der Blick bleibt dabei die ganze Zeit in der Mitte.

In welchen Bereichen fällt es dir schwerer den Blick in der mittleren Position zu halten?

ERFAHRUNGSBERICHTE